Aufbau Ost: Unterwegs zwischen Zinnowitz und Zwickau

  • Preis: EUR 16,95
  • Autor: Claudia Rusch
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 192
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt
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Wie war das damals?

15 Bezirke gab es in der DDR und genauso viele Kapitel hat Claudia Ruschs Buch Aufbau Ost. In jedem Kapitel wird ein Bezirk unter die Lupe genommen, die Autorin erinnert sich an verschiedene Dinge ihrer Kindheit oder Jugend und bindet dazu noch Geschichten von anderen Leuten ein.
Für jemanden, der von der DDR nicht viel mitbekommen hat (wie mich) ist dieses Buch eine gute Möglichkeit sich selbst zu besinnen und eventuell noch ein paar neue Eindrücke der vergangenen Republik zu gewinnen und zu erfahren, was ist geblieben von damals.

Aufbau Ost

In diesem Jahr jährt sich der Fall der Mauer zum 20. Mal. Grund genug für Claudia Rusch, sich auf eine Reise durch die ehemalige DDR zu begeben und herauszufinden, was sich in 20 Jahren in den 15 ehemaligen Bezirken verändert hat. Dabei verbindet sie persönliche Geschichten aus der Vergangenheit mit Anekdoten aus der Gegenwart.
Claudia Rusch hat 18 Jahre in der DDR gelebt, als 1989 die Mauer fiel. In diesem Buch schildert sie ihre Erinnerungen daran - immer in Verbindung mit der Gegenwart. Ihre Geschichten regen zum Schmunzeln, Nachdenken und Auseinandersetzten, mit der Geschichte unseres Landes, an. Die selbst erlebten Anekdoten sind sehr schön beschrieben und machen das Lesen des Buches zu einem kurzweiligen Vergnügen. Der Leser erfährt viel über das tägliche Leben in der DDR, ohne Verklärung oder zu negative Beschreibungen. Auch wenn gerade das Letztere manchmal leise - aber ganz leise - durchaus anklingt. Aber das sei der Autorin gestattet, da sie auch immer darauf verweist, dass dies ja auch subjektive Erfahrungen waren, mit denen sie sich auseinandersetzt.
Für jeden, der sich für die DDR interessiert, ist dieses Buch zu empfehlen. Und vielleicht hilft es, die Mauer, die in den Köpfen von manchen Leuten noch besteht, einzureißen.


Toll geschrieben

Durch Zufall bin ich im Internet auf "Aufbau Ost" aufmerksam geworden. Der Rückseitentext des Buches sprach mich an und so konnte ich dem Kauf nicht wiederstehen. Claudia Rusch gelingt es lauter kleine und feine Geschichten zu erzählen, die einem deutlich machen das selbst fast zwanzig Jahre nach der Wende, im Osten nicht alles ist wie im Westen, aber doch vieles "gesamtdeutsch" daherkommt.

Der Osten Deutschlands ist befindet sich immer noch auf der Reise in eine gesamtdeutsche Identität, und das erzählt die Autorin dermaßen wunderbar und unterhaltsam, das man dieses Buch ohne Beschränkungen weiterempfehlen kann!

Was ist vorüber, was hat sich entwickelt?

Claudia Rusch hat mit "Aufbau Ost" jetzt ihr 2. Buch publiziert. Sie schreibt sehr anschaulich darüber, wie sie den Mauerfall erlebt hat, stellt in dem Zusammenhang rückschauend aber auch fest, dass die DDR nicht über die Bürger gekommen ist. Sie ist von Verantwortlichen gemacht worden und die Bürger hatten die Entscheidung dagegen oder dafür.

In der Familie von Claudia Rausch hat auch die Stasi Spuren hinterlassen. Im Anfang ihres Buches berichtet die Autorin, dass ihr Großvater mütterlicherseits, unter mysteriösen Umständen in einem Stasi Gefängnis umgekommen ist. Sie schreibt davon, dass ihre Mutter ihr diesen Aktenstapel übergeben hat, um einmal nachzuforschen was geschehen ist. Und sie hat sich Anfang 1990, nachdem sie früh Akteneinsicht bekommen hatte, auf die Spurensuche gemacht. Ihre Mutter hat sie darum gebeten, in der Hoffnung, dass sie auf diese Weise ihren Großvater besser kennen lernen würde. Den hoch konspirativen Akten hat sie entnommen, dass der Vater ihrer Mutter ein klassischer Renegat war. Er ist als Politiker nach dem Krieg voller Enthusiasmus in die SED eingetreten, mit der Vorstellung nun könne er vieles ändern und besser machen. Er ist dann doch sehr schnell Mitte der Fünfziger Jahre zu der Erkenntnis gekommen, dass das, was in der DDR passierte nicht in Ordnung sein konnte. Es folgten sehr schnell der Parteiausschuss und die Inhaftierung. Bei der Spurensuche konnte die Autorin sehr schnell feststellen, dass es eine Verbindung zwischen ihr und ihrem Großvater gab.

So schreibt sie in ihrem Buch, dass sie zuerst, nach dem Mauerfall, einmal weg musste. Sie ging zum Studium nach Italien, weil sie zunächst mit dem neuen Gesamtdeutschland nicht klar kam. Sie war durch ihre sozialistische Erziehung in der sozialistischen Schule vorprogrammiert und hatte große Probleme mit dem Fortfall der Mauer. So war sie anfangs davon überzeugt, dass im Westen alles Nazis sein mussten, die NSDAP wieder eingeführt werden könnte und alles wieder von vorne beginnen würde. So geht es in dem Buch thematisch dann auch um die Neonazis.

Sinnliche Erinnerungen verlieren sich eigentlich auch in der Rückspulung nicht und so hat Claudia Rausch diese Geschichte ihre Großvaters, sowie viele andere über die Menschen, die seit nunmehr zwanzig Jahren auf der Suche nach ihrer individuellen Einrichtung in den neuen Lebensumständen unterwegs sind, mit scharfen Verstand, völlig unstereotypisch, aufgeschrieben. Was ist bei "Aufbau Ost" von Vorhandenem geblieben und was ist neu entstanden? Resümierend kommt die Autorin zu der Überzeugung, das Deutschland mit seiner alten demokratischen Tradition unter Beimischung der Widerstands erfahrenen ehemalige DDR Bürger eine Chance für bleibende Demokratie bietet. .

Ein Buch voller Emotionen, eingebettet im beeindruckenden gesellschaftspolitischen Kontext. Es gibt Bücher, mit denen man gern alleine und für sich bleibt, nach der Lektüre dieses Buches sollte man einen Gesprächspartner haben, es enthält so viele Gedanken und Situationen , Empfindungen, Verflechtungen und Ebenen, die zum Austausch und zu näherer Betrachtung anregen.

Eine Bestandsaufnahme 20 Jahre nach dem Mauerfall

Meine freie deutsche JugendAufbau Ost: Unterwegs zwischen Zinnowitz und Zwickau
In diesem Jahr feiert Deutschland den Fall der Mauer zum mittlerweile 20. Mal. Grund genug einen Blick auf ostdeutsche Befindlichkeiten und die aktuellen Lebensverhältnisse in den neuen Ländern zu werfen: Dies schafft Claudia Rusch (Jg. 1971) in ihrem zweiten Buch auf eindrucksvolle Art und Weise. Sich orientierend an den ehemaligen 15 Bezirken der DDR, erlaubt sie dem Leser einen Einblick in ihre persönliche Geschichte(n), Streifzüge durch den Osten (und auch Westen) der Republik. Von Zinnowitz bis Zwickau nimmt die Autorin ihre Leser mit auf eine Reise, die nicht nur an die Geschichten ihres ersten Buches "Meine freie deutsche Jugend" (2003) anknüpfen, sondern auch neue Erlebnisse - mal witzig, mal traurig - erzählen. Eine kritische Bestandsaufnahme 20 Jahre nach dem Mauerfall, die man gelesen haben sollte.

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